Kolikwetter: woher kommt das eigentlich? Wie kann ich meinem Pferd helfen?
Nicht nur das Wetter spielt zur Zeit mächtig verrückt. Von drückender Hitze, Stürmen mit orkanartigen Windgeschwindigkeiten, Gewittern mit Starkregen bis hin zu nass kalten, herbstlichen Temperaturen ist gerade alles dabei. Eigentlich könnte alles so schön sein: wir sind mitten im August! Unsere Pferde grasen in dieser Zeit normalerweise zufrieden auf der Weide, schlagen sich mit lästigen Pferdebremsen herum und der Fruktangehalt ist optimal. Die Realität sieht zur Zeit aber ganz anders aus. Mal ist es kurz richtig heiß, drückend oder schwül, dann wieder richtig nass und kalt. Und das im permanenten Wechsel! Wir hatten letzte Woche nachts 3°C – wir wohnen zwar in den Bergen, aber trotzdem, es ist August!
Vor allem unsere vierbeinigen Lieblinge haben gerade häufig mit den extremen Wetterlagen zu kämpfen. Wir Menschen können uns wenigstens an- und ausziehen oder schnell mal unter die Dusche oder in den See springen. Wir sind viel anpassungsfähiger und selbst uns setzt das Wetter manchmal ziemlich zu. Kreislaufbeschwerden, Kopfweh, flauer Magen…
Aber nicht nur wir haben gerade mit dem Wetter zu tun. Unseren Pferden setzt das Wetter oft ganz schön zu. Von Kreislaufproblemen, Blähbäuchen, Kotwasser bis hin zur Kolik. Du kennst das alles?
Pferde sind leider keine Wetterwechselspezialisten und das merkt man gerade. Viele Pferde reagieren mit Verdauungsproblemen und einige auch mit Koliken. Aber warum?
„Kolik“ beschreibt erst einmal nur das auftretende Symptom Bauchschmerz. Es gibt sehr unterschiedliche Gründe dafür (Weitere Artikel zu dem Thema folgen in unserer Reihe Verdauungsapparat Pferd).
Ein Grund können schnelle Wetterwechsel sein. Der schnelle Wechsel von Hoch- und Tiefdruckgebieten und den damit verbundenen starken Schwankungen von Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Temperatur wirken sich auf den Kreislauf der Pferde aus.
Der Verdauungsapparat wird vom vegetativen Nervensystem geregelt. Das sympathische Nervensystem, reagiert bei Stress und aktiviert auch den bekannten „Fight or Flight“ Modus. Unsere Pferde sind Fluchttiere. Dieser Modus sichert ihr Überleben in der freien Wildbahn.
Du kennst vielleicht dieses Phänomen, wenn du aufgeregt bist oder dich etwas stresst, hast du Bauchschmerzen oder deine Verdauung funktioniert nicht optimal?
Wenn durch jegliche Form von Stress der Modus „fight or flight“ (Flucht oder Kampf) aktiviert wird, heißt das schlichtweg der Körper „verzichtet“ erst einmal aufs Verdauen, um seine gesamte Energie für überlebenswichtige Funktionen zu bündeln. Deswegen wird der Darminhalt entweder schnell entleert (Durchfall) oder das Verdauen wird erstmal „zurückgestellt“. Denn zum „Fliehen oder Kämpfen“ wird alle Energie für Muskelkraft, klare Sicht und eine ausreichende Sauerstoffzufuhr benötigt. Das bedeutet, das Verdauen wird sozusagen erst einmal „hinten angestellt“ und die gesamte Energie und Kraft wird für die Flucht oder den Kampf bereitgestellt.
Anders ist es in Ruhephasen, in denen keine Gefahr droht: dann kann ein Pferd fressen und verdauen. Dafür ist das parasympathische Nervensystem zuständig. Vielleicht ist dir in dem Zusammenhang „rest and digest“ oder der Vagusnerv ein Begriff. Dieser Nerv versorgt den Darm in Ruhe und reguliert die Nahrungsaufnahme.
Zurück zu den Wetterwechseln. Diese beiden Systeme spielen auch bei den Wetterwechseln eine Rolle. Die instabile Kreislaufsituation verursacht eine Imbalance von sympathischem und parasympathischem Nervensystem. Denn der zu niedrige Blutdruck wird durch das sympathische Nervensystem erhöht. Darunter leidet aber die parasympathisch regulierte Blutversorgung vom Verdauungsapparat und das verlangsamt die Verdauung. Dadurch können die einzelnen Organe nicht schnell genug ihrer Verdauungsanforderung hinterher kommen. Das verursacht häufig Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme, die sog. Koliken.
- Achte darauf, dass du in diesen Phasen dein Pferd regelmäßig und vor allem locker bewegst. Damit werden Kreislauf und Verdauung angeregt. Wir empfehlen lieber mehrmals am Tag leichte Bewegung, aber! vor allem keine schwere Arbeit, die den Kreislauf noch zusätzlich belastet. Das können Spaziergänge, Longenarbeit, kurze Trainingseinheiten mit viel Schritt oder kleine Ausritte sein.
- Besonders bei Hitze und schwülem Wetter sind schattenreiche Wege, wie Waldwege oder die Reithalle zu empfehlen. Wenn beides nicht vorhanden ist, dann empfehlen wir die kühleren Stunden des Tages zu nutzen und das Pferd frühmorgens und/oder spätabends zu bewegen.
- Was uns hilft, hilft auch deinem Pferd! Das gilt zumindest hier. Wenn die Wetterwechsel ganz extrem sind, dusche ich meinem Pferd mehrmals am Tag die Beine oder den ganzen Körper. Achte hierbei darauf, hinten rechts anzufangen und dich langsam von hinten nach vorne zu arbeiten. Wieso hinten rechts? Es ist die Stelle die physiologisch am weitesten vom Herzen entfernt liegt. Somit vermeidest du zusätzlichen Stress für das Kreislaufsystem deines Pferdes. Oder noch besser: Du hast eine Wasserstelle in der Nähe, wo du mit deinem Pferd ins Wasser kannst? Perfekt!
- Außerdem achte bei der Fütterung deines Pferdes auf Ausgewogenheit und gute Verdaulichkeit, d.h. leichtverdauliches Futter. Wichtig ist hier aber vor allem nicht zu viel zu füttern! Hier gilt wirklich das Motto: Weniger ist Mehr. Die Pferde sollen regelmäßig fressen, das schützt auch den Magen und die Magenschleimhaut, aber auch ausreichend Ruhephasen, also Verdauungs- und Fresspausen haben.
- Und ganz besonders, vermeide Stress! Denn das führt zur Aktivierung vom sympathischen Nervensystem und schwächt die Verdauung zusätzlich. Das ist manchmal leichter gesagt, als getan. D.h. stell dir die Frage: wobei entspannt sich mein Pferd am Besten? Woran hat es merklich Freude und vor allem !!! wobei entspannt ihr Euch gemeinsam??? Unsere Lieblinge spüren natürlich auch unseren Stress und sind davon beeinflusst.
Im nächsten Artikel erfährst du, wie du dein Pferd auch ganz leicht mit Akupressur und anderen Tipps aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) unterstützen kannst…
Hat dir der Artikel gefallen oder dabei geholfen dein Pferd besser zu verstehen? Oder sind neue Fragen bei dir entstanden?
Dann her damit – denn nur wenn wir sie wissen, können wir sie dir beantworten!
Mehr Infos und Hilfen Rund um das Thema Kolik gibt es bald!
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